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Methodik Juristische Methodik: Praxis des Rechts
Linguistik Rechtslinguistik: Sprache des Rechts
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Heidelberger Gruppe der Rechtslinguistik 

Der Ausdruck „Rechtslinguistik" war zuerst im Kreis des. „Darmstädter Programms" seit 1970 in den Mittelpunkt gerückt. Dass diese Gruppe ihre Tätigkeit schon 1974 einstellte, ist verschiedentlich als ein nicht zufälliges Scheitern verstanden worden. In der Tat fielen ihr bewusster Formalismus und ihr Festhalten am überlieferten Positivismus (Logischer Positivismus, Subsumtionsmodell der Rechts„anwendung", Wortsemantik) nicht nur hinter differenziertere Ansätze der alten Hermeneutik und der Hamann-Herder-Wilhelm von Humboldt-Tradition zurück, sondern noch mehr gegenüber den Einsichten der Spätphilosophie Wittgensteins und der neueren Sprachwissenschaft und -philosophie des letzten Jahrhundertdrittels seit dem pragmatic turn. Im Sinn dieser jüngeren Entwicklung gibt es daher seit Mitte der 80er Jahre einen Neuanfang in Gestalt der „Heidelberger Gruppe der Rechtslinguistik".

Zu ihr gehören Forscher und Lehrer aus der Sprach- und der Rechtswissenschaft sowie Praktiker aus verschiedenen Bereichen. Ihre Arbeit geht linguistisch von der „Praktischen Semantik" aus, juristisch von der Strukturierenden Rechtslehre. Sie fasst das, was Richter und andere Juristen sprechen und schreiben (z.B. Urteile), nicht als bloße Äußerung „objektiver" und fixierbarer Sach- und Sprachstrukturen auf. Sie erfasst es vielmehr als Handeln: als reales, zu verantwortendes Handeln von (amtlich dazu bestellten) Menschen in bestimmten gesellschaftlichen Zusammenhängen. Die „Konkretisierung" im Sinn einer Konstruktion der Rechtsnorm steht immer in einem Umfeld politischer, ökonomischer, sozialer Vorgaben; und sie alle sind durch Sprache vermittelt. Das nicht ernst genommen zu haben, war einer der Geburtsfehler des pseudo-naturwissenschaftlich agierenden traditionellen Gesetzespositivismus. Dagegen erschließen sich die intrinsischen Wechselwirkungen zwischen „Sollen" und „Sein", zwischen Sprache und Recht einer nachpositivistischen Rechtstheorie ebenso wie der avancierten Praktischen Semantik: „Rechtslinguistik" nicht als Addition selbstgenügsamer Disziplinen, sondern als Ort, wo beide sich grundsätzlich in Frage stellen lassen; Ansatz bei der Praxis des Sprechens in einer natürlichen Sprache ebenso wie bei jener des alltäglichen juristischen Entscheidens. Dem entspricht der induktive Ansatz: sowohl die Strukturierende Rechtslehre als auch die ihr zugehörige „Juristische Methodik" wurden aus ungezählten praktischen Fällen der Rechtsprechung analytisch entwickelt, erst nachträglich systematisiert und - gemäßigt - als Theorie abstrahiert.

Die Gruppe trifft sich mehrmals im Jahr in Mannheim-Feudenheim. Informationen und Anfragen über Prof. Dr. Rainer Wimmer, Trier:

wimmer@uni-trier.de
Arbeiten der Heidelberger Gruppe:
Friedrich Müller (Hg): Untersuchungen zur Rechtslinguistik, Berlin 1989
Sprache und Recht. Themenheft der Zeitschrift: Sprache und Literatur, Jg. 29, Heft 1, 1998
Zur näheren Information
Friedric Müller / Rainer Wimmer (Hg): Neue Studien zur Rechtslinguistik, Berlin 2001
Zur näheren Information
Publikationen aus dem Umkreis der Heidelberger Gruppe:
Dietrich Busse, Recht als Text. Linguistische Untersuchungen zur Arbeit mit Sprache in einer gesellschaftlichen Institution, 1992
Dietrich Busse, Textinterpretation. Sprachtheoretische Grundlagen einer explikativen Semantik, 1991
Zur näheren Information
Dietrich Busse, Juristische Semantik. Grundfragen einer juristischen Interpretationstheorie in sprachwissenschaftlicher Sicht, 1993
Zur näheren Information
Ralph Christensen, Was heißt Gesetzesbindung? 1989
Zur näheren Information
Ralph Christensen / Hans Kudlich, Theorie der gerichtlichen Begründung 2001
Zur näheren Information
Birgit Feldner, Die Einrichtung verstärkter Senate beim OGH
Birgit Feldner / Nikolaus Forgó (Hrsg.), Norm und Entscheidung. Prolegomena zu einer Theorie des Falls, 2000
Nikolaus Forgó, Recht sprechen. Zur Theorie der Sprachlichkeit des Rechts
Bernd Jeand'Heur, Sprachliches Referenzverhalten bei der juristischen Entscheidungstätigkeit, 1989
Zur näheren Information
Olivier Jouanjan (Hrsg.), La question de Linguistique dans la Theorie Structurante du Droit
Friedrich Müller, Strukturierende Rechtslehre, 2. Aufl., 1994
Zur näheren Information
Friedrich Müller / Ralph Christensen, Juristische Methodik. Band I. Grundlagen. Öffentliches Recht, 8. Auflage, Berlin 2002
Zur näheren Information
Friedrich Müller / Ralph Christensen: Juristische Methodik. Band II. Europarecht, Berlin 2003
Zur näheren Information
Friedrich Müller / Ralph Christensen / Michael Sokolowski: Rechtstext und Textarbeit, Berlin 1997
Zur näheren Information
Friedrich Müller, Methodik, Theorie, Linguistik des Rechts, 1997
Dennis Patterson, Law and Truth, 1996; dt. Recht und Wahrheit, 1999
Thomas-M. Seibert, Zeichen, Prozesse. Grenzgänge zur Semiotik des Rechts, 1996
Zur näheren Information
Alexander Somek, Rechtssystem und Republik. Über die politische Funktion des systematischen Rechtsdenkens, 1992
Alexander Somek, Der Gegenstand der Rechtserkenntnis. Epitaph eines juristischen Problems, 1996
Alexander Somek / Nikolaus Forgó,Nachpositivistisches Rechtsdenken. Inhalt und Form des positiven Rechts, 1996
Zur näheren Information
Juristen und Linguisten diskutieren gemeinsam Fragen des Rechts und der Sprache.
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auf Ihre Anregungen
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