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Methodik Juristische Methodik: Praxis des Rechts
Linguistik Rechtslinguistik: Sprache des Rechts
übersicht
Alexander Somek
Der Gegenstand der Rechtserkenntnis.
Epitaph eines juristischen Problems, Baden-Baden 1996
Inhalt

Vorbemerkung: Gleichgültigkeit und Zusammenbruch • Das abgründige Problem der Rechtserkenntnis • Juristische Metaphorologie • Das Geisterhaus der Rechtswissenschaft • Zum Fiktionsbegriff • Metaphorik in der Begriffsbildung • Angewandte juristische Metaphorologie • Übergang zur radikalen Metaphorologie • Zerbrechende Gegenständlichkeit • Unumgänglichkeit des Metaphorischen im Rechtsdenken • Keine Bäume, nur Wald • Die Herausforderung an die Rechtserkenntnis • Zwischenhoch • Das Enigma • Das elementare Produktionsmodell der Rechtswelt • Die natürlichste Sache der Welt? • Der Stoff, aus dem das Recht gemacht wird • Zum Bedeutungsbegriff • Ein Minimalbegriff des "Geistigen" im Recht • Exkurs zur Extension des Rechts • Die Ausrichtung propositionaler Gehalte • Gegenstand und Methode • Das ontologische Grundproblem • Der semantische «Urbegriff» der Rechtsdogmatik • Der Museumsmythos • Eine Theorie der Bezugnahme auf Bedeutungen • Der abstrakte Gegenstand • Die Erfassung des abstrakten Gegenstandes • Grundmuster und Analogie • Sprachpragmatischer Konventionalismus • Die Verwechslung von Sender und Kontext • Re-Markierung: Wiederholbarkeit und Intentionalität • Die ursprüngliche Verspätung der Bedeutung • Die supplementäre Idealform: Interpretative Praxis • Ein offener Kreis • Begriffliche Identifizierung • Kenntnis und Verstehen • Relativität • Kriterien der Bezugnahme • Das intensionale Begriffskarussell • Zwischenergebnis • Übergang zum modifizierten Produktionsmodell • Extraktion der Rechtssatzform • Die Funktion des Geltungsbegriffs • Die Schattenverfassung • Interne Einheit als Bedingung externer Beschreibung • Vom Doppelsinn der Rechtsanwendung • Konstitutive Lücken • Disziplinärer Solipsismus: Faktizität und Pluralismus • "Pluralismus" und Inkommensurabilität • Was sich immer wieder entzieht • Inkommensurabilität • Aus Mangel an Barmherzigkeit • Identität der Nicht-Identität Ausblick: Das positive und das negative System

Vorwort

Als Goldstandard der Jurisprudenz ist die Rechtstheorie für den alltäglichen Zahlungsverkehr der juristischen Argumente weitestgehend entbehrlich. Die dogmatische Rechtswissenschaft vermag sich für die eigene Selbstreflexion nur zu interessieren wem diese die drastische Reduktion von Begründungszwängen verheißt. Üblicherweise wird die Rechtstheorie dieser Erwartung gerecht, indem sie grundlegende Unterscheidungen zu generellen methodischen Ansätzen kombiniert. Letztere lassen sich der juristischen Klassifikation derart vorschalten, als bildeten sie in der Tat ihr Fundament. Aus der Sicht des «echten Juristen» ist es daher unproblematisch, das Feld der theoretischen Auseinandersetzung philosophisch ambitionierten Experten zu überlassen, wenigstens solange deren Anstrengungen der Weisung folgen, die Validität juristischer Argumente kritisch zu beurteilen und zu sichern. Darüber hinaus ist es der wechselseitigen Abschottung unterschiedlicher dogmatischer Strategien sogar zuträglich, wenn sich juristische Kontroversen solcherart auch ins Weltanschauliche übersteigern lassen. Es ist so vornehm wie bequem, die eigene rechtstheoretische Position umstandslos von anderen unterscheiden zu können.

Diese Schrift versucht dem Phänomen auf die Spur zu kommen, dass sich die gemütliche Koexistenz von alltäglicher und außeralltäglicher Jurisprudenz im Zerfall befindet. Denn wenigstens der Rechtstheorie erschließt sich zusehends ihr eigenes Ende. Anstatt die Bedingungen dogmatischer Rechtsbestimmtheit(etwa in der Form von Strukturen und Methoden) aufzudecken, stößt sie wie von selbst zu den notwendigen Bedingungen der Unbestimmtheit rechtlichen Wissens vor. Als Disziplin droht sie ihren Status zu verlieren, eine von Begründungsgewissheit entlastende Dauerreflexion der dogmatischen Begründungsungewissheit zu sein. Daraus ergibt sich eine paradoxe Konsequenz. Wenn sich Rechtswissenschaft als von Experten gehütete Garantie unparteilicher Rechtsanwendung nicht mehr von Reflexionsleistungen entlasten lässt, dann hätte eine Reformulierung rechtlichen Wissens, welche die Rechtsdogmatik in Hinkunft ersetzte, im selben Maße staatsbürgerlich wie theoretisch zu sein (auch wenn man gegenwärtig noch den Silberstreifen am Horizont vermissen mag, der ahnen ließe, wie das Recht vor dem Abgrund der Unbestimmtheit sozialer Integration zu studieren wäre).
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