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literatur
Friedrich Müller / Rainer Wimmer (Hg)
Neue Studien zur Rechtslinguistik, Berlin 2001

Inhaltsübersicht

Friedrich Müller: Textarbeit, Rechtsarbeit. Zur Frage der Linguistik in der Strukturierenden Rechtslehre

Walter Grasnick: Entscheidungsgründe als Textcollage

Dietrich Busse: Semantik der Praktiker: Sprache, Bedeutungsexplikation und Textauslegung in der Sicht von Richtern

Ekkehard Felder: Sprachliche Argumente in einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts als fachdomänenspezifische und allgemeine Sprachgebrauchstopoi

Wolfgang Buerstedde / Ralph Christensen / Michael Sokolowski: Leaving Babel. Die Aufgabe des Übersetzens als Chance für die Arbeit des EuGH

Philipp Knorr: Die „Unbestimmtheit" von Verfassungsnormen und ihre Kontrolldichte - erläutert am Beispiel der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zu Art. 72 II GG a. F.

Ralph Christensen / Michael Sokolowski Die Bedeutung von Gewalt und die Gewalt von Bedeutung

Thomas-M. Seibert: Entfaltung des Zeichenlosen oder: Wie das Gericht mit tödlicher Gewalt umgeht

Über das Buch

Die Studien dieses Bandes sind aus der "Heidelberger Arbeitsgruppe der Rechtslinguistik" hervorgegangen. In dieser Gruppe arbeiten seit 1985 Rechts- und Sprachwissenschaftler sowie Praktiker der Jurisprudenz zusammen. Unter Rechtslinguistik wird der wissenschaftlich-theoretische und der alltagspraktische Überschneidungsraum zwischen methodischer Sprachreflexion in der Jurisprudenz - repräsentiert durch die Strukturierende Rechtslehre - und der linguistischen Sprachanalyse im Sinne einer "Praktischen Semantik" verstanden. Theorie und Praxis gehören in beiden Disziplinen zusammen. Im Eingangskapitel über Textarbeit und Rechtsarbeit stellt Friedrich Müller grundlegend Zusammenhänge zwischen Linguistik und Strukturierender Rechtslehre dar. Walter Grasnick zeigt, dass richterliche Begründungen für Entscheidungen als Textcollagen aufgefasst werden können. - Dietrich Busse analysiert aus linguistisch-semantischer Sicht die Methoden, mit denen Richter in ihrer Text- und Bedeutungsauslegung tatsächlich vorgehen. - Im mehr praktisch orientierten Teil geht es um die Analyse von exemplarischen Falltypen, wie die Rechtspraxis mit sprachrelevanten Fragen umgeht. - Ekkehard Felder untersucht Sprachgebrauchstopoi in einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Frage der Gewalt. - Wolfgang Buerstedde, Ralph Christensen und Michael Sokolowski beschreiben Fragen und Probleme der Übersetzungsarbeit im Rahmen der Arbeit des Europäischen Gerichtshofs. - Philipp Knorr behandelt das Verhältnis der Unbestimmtheit der Verfassungsnormen (Art. 72 II GG a. F.) zur "Kontrolldichte", die von solchen Normen ausgehen kann. - Ralph Christensen und Michael Sokolowski setzen sich mit dem Verhältnis zwischen Bedeutung bzw. Bedeutungsfestlegung und Gewalt auseinander. - Thomas-Michael Seibert legt an Beispielen dar, wie die sprachliche "Entfaltung" bzw. Interpretation von nackten Gewalttaten in der strafrechtlichen Arbeit die Urteile zuungunsten der Opfer beeinflusst. - In allen Beiträgen werden Rechtsarbeit und Spracharbeit als integriert bzw. als eng miteinander verwoben gesehen. Der Band ist geeignet, richterliche Entscheidungen transparenter zu machen sowie der Linguistik ein Feld höchst fruchtbarer Untersuchung zu eröffnen.

Stimmen zu den Untersuchungen zur Rechtslinguistik

"Eine schwierige und notwendige Arbeit" Jacques Derrida

"Eine grundlegende Diskussion über das Verhältnis zwischen Rechtstheorie und Linguistik sowie Anwendungsbeispiele zum Normtext und seiner Interpretation. Die Umsetzung der Analysen der Strukturierenden Rechtlehre und der Sprachwissenschaft bringt erstaunliche Parallelen zwischen ihnen ans Licht, die von der Relevanz des hier begründeten Dialogs zeugen." Droits. Revue Francaise de Theorie Juridique

"Die Offenheit aller Beteiligten zum Austausch fällt nicht nur in der inhaltlichen Auseinandersetzung auf, sondern ist auch besonders im dritten Teil des Bandes durch die Form der Diskussion dokumentiert. Modellhaft, beweglich und anspruchsvoll wird ein Gespräch geführt, dort, wo es um Sprache geht". Christiane Mackesprang in: Fachsprache

"Das Buch bringt - vom Standpunkt eines erstinstanzlichen Richters gesehen - mit seiner tiefschürfenden Analyse der Rechtsarbeit eine Fülle von Gedanken und Anregungen." Fotheringham in: Muttersprache "Das gemeinsame Interesse an der Sprache hat die Autoren des Bandes zusammengeführt. Nun stellen sie sich als gute Gesprächspartner dar. Der diskursive Stil in den Abhandlungen bildet einen angenehmen Kontrast zu jener juristischen Methodenliteratur, deren Autoren die dogmatische Machart, nach welcher inhaltlich-rechtliche Distinktionen zunftgerecht verfertigt werden, ungebrochen in ihren rechtsphilosophischen oder rechtstheoretischen Abhandlungen weiterverfolgen. Hier dagegen hält der Leser ein Werk in Händen, das ihm zusätzlich zu allen Anregungen und Einsichten ein intellektuelles sprachpraktisches Vergnügen bereitet." Wolfgang Gast in: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie


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