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literatur
Friedrich Müller (Hg)
Untersuchungen zur Rechtslinguistik. Interdisziplinäre Studien zu praktischer Semantik
und Strukturierender Rechtslehre in Grundfragen der juristischen Methodik, Berlin 1989

Inhaltsübersicht

Ralph Christensen / Bernd Jeand'Heur: Themen einer problembezogenen Zusammenarbeit zwischen Rechtstheorie und Linguistik

Rainer Wimmer: Bemerkungen zum Expose von Christensen / Jeand'Heur

Bernd Jeand'Heur: Gemeinsame Probleme der Sprach- und Rechtswissenschaft aus der Sicht der Strukturierenden Rechtslehre

Rainer Wimmer / Ralph Christensen: Praktisch-semantische Probleme zwischen Linguistik und Rechtstheorie

Ralph Christensen: Der Richter als Mund des sprechenden Textes. Zur Kritik des gesetzespositivistischen Textmodells

Dietrich Busse: Was ist die Bedeutung eines Gesetzestextes? Sprachwissenschaftliche Argumente im Methodenstreit der juristischen Auslegungslehre - linguistisch gesehen

Bernd Jeand'Heur: Der Normtext: Schwer von Begriff oder Über das Suchen und Finden von Begriffsmerkmalen. Einige Bemerkungen zum Referenzverhältnis von Normtext und Sachverhalt

Gespräch über Strukturierende Rechtslehre und praktische Semantik

Vorwort

Dieses Buch ist kein Sammelband aus heterogenen Aufsätzen, sondern das Dokument einer mehrjährigen Diskussion zwischen Sprachwissenschaftlern und Juristen. Das oft beschworene Gegenstandspaar „Recht und Sprache" wird hier erstmals interdisziplinär erforscht.

Die Debatte wurde von je einer vordersten Front der Rechts- wie der Sprachtheorie aus geführt; von Positionen her, die zu Beginn schon deshalb weit auseinander lagen, weil die verschiedenen Zweige der Humanwissenschaften herkömmlich voneinander kaum Kenntnis nehmen. Die Beteiligten waren bereit, ihre Ansätze in Frage stellen zu lassen. Das hat die Positionen verändert und zu einem Gesamttext geführt, den alle verantworten.

Bei dieser fachübergreifenden Arbeit geht es, anders gesagt, nicht um einen äußerlich vermittelten, durch guten Willen gestifteten Kontakt zwischen Gebieten, die sich selbstgenügsam definieren. Es geht um den Versuch, mit den je eigenen wissenschaftlichen Methoden, die modifizierbar sind, eine den Disziplinen gemeinsame gegenständliche Realität zu erfassen, sie angemessen zu erklären. Nicht methodischer Eklektizismus, sondern die zu erforschende Wirklichkeit selbst ist es, welche die Fächer „übergreift". Diese Sicht ändert den Zugriff auf das Arbeitsfeld zwischen Sprache und Recht ganz grundsätzlich. Sie führt zu einer Reihe von Einsichten, die der bisherigen Diskussion verschlossen bleiben mußten, und stößt auf überraschende, in der Sache liegende Parallelen von Strukturierender Rechtslehre und praktischer Semantik. Thematisch geht es dabei um eine für Linguistik und Rechtslehre gemeinsame Grundlage: um die Rolle von Sprache und von sprachtheoretischen Argumenten in Diskussion und Praxis der juristischen Arbeitsmethoden. Die Autoren dieses Buchs gehen dabei ein beträchtliches Stück eines Wegs miteinander, der noch weiter führen und künftige Synthesen erreichbar machen sollte.

Stimmen zu den Untersuchungen zur Rechtslinguistik

"Eine schwierige und notwendige Arbeit" Jacques Derrida

"Eine grundlegende Diskussion über das Verhältnis zwischen Rechtstheorie und Linguistik sowie Anwendungsbeispiele zum Normtext und seiner Interpretation. Die Umsetzung der Analysen der Strukturierenden Rechtlehre und der Sprachwissenschaft bringt erstaunliche Parallelen zwischen ihnen ans Licht, die von der Relevanz des hier begründeten Dialogs zeugen." Droits. Revue Francaise de Theorie Juridique

"Die Offenheit aller Beteiligten zum Austausch fällt nicht nur in der inhaltlichen Auseinandersetzung auf, sondern ist auch besonders im dritten Teil des Bandes durch die Form der Diskussion dokumentiert. Modellhaft, beweglich und anspruchsvoll wird ein Gespräch geführt, dort, wo es um Sprache geht". Christiane Mackesprang in: Fachsprache

"Das Buch bringt - vom Standpunkt eines erstinstanzlichen Richters gesehen - mit seiner tiefschürfenden Analyse der Rechtsarbeit eine Fülle von Gedanken und Anregungen." Fotheringham in: Muttersprache "Das gemeinsame Interesse an der Sprache hat die Autoren des Bandes zusammengeführt. Nun stellen sie sich als gute Gesprächspartner dar. Der diskursive Stil in den Abhandlungen bildet einen angenehmen Kontrast zu jener juristischen Methodenliteratur, deren Autoren die dogmatische Machart, nach welcher inhaltlich-rechtliche Distinktionen zunftgerecht verfertigt werden, ungebrochen in ihren rechtsphilosophischen oder rechtstheoretischen Abhandlungen weiterverfolgen. Hier dagegen hält der Leser ein Werk in Händen, das ihm zusätzlich zu allen Anregungen und Einsichten ein intellektuelles sprachpraktisches Vergnügen bereitet." Wolfgang Gast in: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie


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