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Methodik
Recht&Sprache Recht und Sprache
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Recht auf Sprache 
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In dieser Fesselung der richterlichen Gewalt durch die Sprache liegt aber auch das Paradox der Gerechtigkeit. Der Richter soll eine Entscheidung treffen, die als universelles Recht gelten kann, und zwar in der Sprache der Rechtsunterworfenen. Die Schwierigkeit liegt aber darin, dass man für das eine Recht nicht die eine, homogene und unumstrittene Sprache findet. Statt dessen stößt man auf eine Vielzahl von Sprachvariationen, Soziololekten und Idiolekten. Im Hinblick darauf, dass sich die Sprachkompetenz zweier beliebiger Sprecher niemals vollständig deckt, existieren genauso viele Sprache wie Sprecher. Es soll, so der Linguist Rainer Wimmer, zwar nur ein Recht geben, aber für dessen Formulierung gibt es etwa in Deutschland über 81 Millionen Sprachen. Damit wird von linguistischer Seite das in der Rechtsphilosophie diskutierte Spannungsverhältnis von Einzelfall und Regel sichtbar gemacht. Derrida hat die Forderung der Gerechtigkeit ein Paradox genannt, weil sie vom Richter Unvereinbares verlangt. Er soll einerseits der Regel folgen und damit den Einzelfall verraten, und andererseits dem Einzelfall gerecht werden und damit die Regel der Gemeinschaft verraten. Den sprachlichen Kern dieses Paradoxes macht die Pointierung Wimmers sichtbar.
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Sprache, Recht, Gewalt
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