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Positivismus 
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Der Positivismus sieht den Richter als Diener der Sprache. Seine Entscheidung spricht nur aus, was ihm die Bedeutung des Textes vorgibt. In jeder praktischen Situation muss natürlich der Richter die Rolle der Sprache als Quasisubjekt übernehmen. Der Diener souffliert den Herren. Es ist eine Doppelrolle. In jedem wirklichen Verfahren muss der Richter sich zum Herren über die Sprache machen, um seine Verständnisweise des Gesetzestextes gegen andere durchzusetzen. Die Sprachunterworfenheit ist damit nur die Fassade, hinter der sich der Übergang zum Sprachbeherrscher ohne die Möglichkeit äußerer Kritik vollziehen kann.

Der Positivismus ist damit die Fassade einer obrigkeitsstaatlichen Jurisprudenz. Er liefert ihre Selbstdarstellung nach außen gegenüber anderen sozialen Systemen und insbesondere ihre Rechtfertigung und Immunisierung gegen Kritik. Aber für die nicht ganz reflexionsunwilligen Standesvertreter gibt es eine zweite Variante juristischer Selbstverständigung: den Dezisionismus. Das Gesetz ist für ihn bedeutungslos. Allein der Richter entscheidet, was Recht ist. Es handelt sich um die zynische, eher nach innen zu den Fachkollegen als nach außen zu den Laien gewendete Form des juristischen Bewusstseins.

Nur scheinbar sind Positivismus und Dezisionismus Gegensätze: In Wahrheit ergänzen sie sich nach dem Muster einer klassischen Zweierbeziehung. Der Positivismus verdient nach außen hin das Geld sozialer Legitimation, während der Dezisionismus in aller Stille die Entscheidungen trifft. Der Dezisionismus begleitet als dunkler Schatten des Positivismus alle seine Bewegungen und trifft hinter der rhetorischen Fassade eines reibungslosen Legitimationsmodells alle die Entscheidungen, zu denen der Positivismus nicht in der Lage ist.
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Sprache, Recht, Gewalt
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