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Verdeckte Gewalt: Recht durch Sprache 
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Der Richter ist nicht zu beneiden. Vor ihm tobt der im Verfahren nur mühsam gebremste Streit der Parteien. Er kann nur einer von beiden Seiten Recht geben. Er muss diese Entscheidung unter unglaublichem Zeitdruck treffen. Den Überblick über den täglich in neuen Entscheidungen, Kommentaren, Monographien, Zeitschriften und Gutachten weiterwuchernden Rechtsstoff kann er nicht gewinnen. Das Gesetz liegt vor ihm und sagt selbst dann nichts, wenn wirklich einmal alle im Raum schweigen sollten. Auch die Gerechtigkeit ist zwar gefordert, aber nicht verfügbar. Denn sie verlangt sowohl regelhaft zu entscheiden, als auch so, dass die Einmaligkeit des Falls zum Tragen kommt.

Die Unsicherheit dieser Situation wird noch gesteigert, wenn man das Recht mit dem Kampf verknüpft. Mitten im Getümmel gerät man leicht in Druck. Es gibt keinerlei Garantie dafür, dass man im Handgemenge der Kritik immer die Oberhand behält. Ein Tribünenplatz oberhalb des Gewoges der streitenden Menge wäre weit sicherer. Den Weg zu diesem sicheren Tribünenplatz nennt man in der Rechtstheorie Positivismus.

Der Richter erwartet vom Gesetz einen zweifelsfreien Maßstab. Diese Erwartung wird vom Positivismus nicht befragt, sondern zum Axiom genommen. So beginnt ein herkömmliches Lehrbuch juristischer Methodik nicht mit der Frage, welche Leistungen das Gesetz zur Entscheidung eines Falles erbringen kann. Vielmehr ist die Rolle des Gesetzes als Entscheidungsmaßstab Voraussetzung und die daran anschließende Methodik wird diesem Zweck fraglos untergeordnet.
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Sprache, Recht, Gewalt
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