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Recht&Sprache Recht und Sprache
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Recht ist Kampf 
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Kampf, Streit und Gewalt sind der Anlass für die Anrufung des Rechts. Das lässt sich nicht verleugnen. Aber das Recht beendet den Streit. Das Recht setzt der Gewalt, die seinen Anlass bildet, ihr nach Maßgabe des Gesetzes verdientes Ende. Für die Juristen ist damit der Kampf ausschließlich Entstehungsgrund, niemals aber Daseinsweise des Rechts. Wie vollzieht sich diese Transformation der Gewalt in Recht?

Die still wirkenden Kräfte der Sprache überführen den Streit der Parteien in eine Erkenntnis der Bedeutung von Gesetzestexten. Das fragile, aber elastische Netz der Sprache fängt den rohen Stoß der Gewalt auf. Sprache lenkt ihn in die Bahnen der Erkenntnis. Gewalt und Sprache stehen damit in einem äußerlichen Verhältnis. Das Recht hat rohe Gewalt zum Anlass und staatlich kanalisierte Gewalt der Vollstreckung zur Konsequenz. Dazwischen aber liegt das Entscheidende: das reine und lichte Reich sprachlicher Erkenntnis. Denn Recht und Gewalt sind klar von einander geschieden.

Artikel 92 der deutschen Verfassung vertraut den Richtern die rechtsprechende Gewalt an. Aber das deutsche Wort „Gewalt“ hat zwei Wurzeln: vis und postestas. Anders formuliert: Das deutsche Wort „Gewalt“ kann negativ codiert sein als böse Macht, die sich jeder Rechtfertigung entzieht oder positiv als gutes Walten der Obrigkeit. Das Englische ist hier deutlicher, wenn es unterscheidet zwischen authority, force und violence. Wenn also die Juristen in unserer Sprache und damit in unserer Welt walten, dann müssen wir immer und immer wieder die Frage stellen: zu Recht oder zu Unrecht?
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Sprache, Recht, Gewalt
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