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Abwägung 
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Jede Jurist wägt ab, aber kaum einer weiß, wie das geht. Kein Wunder, wenn sich die Geister an der Beurteilung der Abwägung scheiden. Der Postmoderne Ladeur feiert sie geradezu als ein neues Rechtsparadigma. Andere, mehr in die Verfassung vertiefte Rechtstheoretiker sind hier eher skeptisch, sehen in der Abwägung eher das Einfallstor für die "Willkür einer Kadi-Justiz".

Dass man allerdings so etwas wie Abwägung braucht ist schnell gezeigt. Ein älterer Herr fühlt sich durch das Musizieren seines Nachbarn in höchstem Grade gestört und belästigt. Was also liegt näher, als diesem mit dem ganzen Arsenal von Unterlassungs- und Räumungsklagen beizukommen. Alles andere liegt nahe, wenn der sich mit seiner Musik seinen Lebensunterhalt verdient. Was aber wenn nicht? Wie steht es mit seinem Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung, wenn die Musik seinen ganzen Lebensinhalt ausmacht? Ist ihm zuzumuten, einen extra Übungsraum anzumieten? Den kann er sich nicht leisten. Was aber, wenn er ausgerechnet Schlagzeug spielt? Auf Anraten seines Psychiaters, wie er geltend macht. Um seine Aggressionen auszuagieren und zu verhindern, dass er vor dem Dilemma steht sich entscheiden zu müssen, ob er lieber Selbst- oder Massenmörder werden will. Aber wo ist bei alledem eigentlich das Recht des Nachbarn auf körperliche Unversehrtheit geblieben? Zumal dieser unter heftigen Migräneanfällen leidet und ihm schon das Rascheln von Papier unermessliche Qualen bereitet. Mit der Abwägung ist es offenbar wie mit dem Geld. Es ist lästig es zu erwerben und man spricht auch nicht gern darüber. Man braucht es aber und es ist schön, wenn man es hat. Seriöser ist aus dem Zwiespalt über die Abwägung eher die Folgerung zu ziehen, in ihr eine besondere Herausforderung sorgfältiger Methodik zu sehen.
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