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Reduktion 
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Die Etymologie hilft bereits auf den entscheidenden Sprung. Man braucht sich nur an das lateinische "reducere" als einem "Zurückbringen" oder "Zurückführen" zu erinnern. Damit ist von vornherein klar, dass es sich bei der Reduktion um eine einengende Argumentation handelt im Unterschied etwa zu den ergänzenden und erweiternden Argumentationsformen der Analogie und des Größenschlusses. Die sind eben "productiv". Das heißt, sie entlocken dem Normtext ein weitergehenderen Sinn, wie ein schneller Blick in den "Kleinen Stowasser" lehrt.

Die Reduktion produziert nicht. Sie verbraucht einen möglichen Sinn, ähnlich wie imgrunde auch der Umkehrschluss. Der Umkehrschluss schneidet aber von vornherein eine mögliche Semantisierung des Normtextes ab. Man könnte ihn gewissermaßen als eine aus dem Schweigen der Vorschrift darüber geborene Desemantisierung betrachten. Die Reduktion ist eher eine aus der Not einer Schwatzhaftigkeit der Auslegungsmöglichkeiten, einer Überfülle von Bedeutungserklärungen, durch die sich der Normtext beim Wort nehmen lässt, geborene Resemantisierung. Bei einer Reduktion wird auf Grund sonstiger Kriterien ein engerer Sinngehalt angenommen, als er der sprachlichen Plausibilität der betreffenden Rechtsvorschrift nach zum Ausdruck kommt. In diesem Sinn kann man sagen, dass durch Reduktion die sprachliche Plausibilität einer Bestimmung nach Maßgabe sonstiger Kriterien eingeengt wird. Die Reduktion dient dazu, einem allzu großen Überschwang an möglicher Bedeutungsproduktion, einer überschiessenden Freude an der Semantik, einen Riegel vorzuschieben. Ähnlich wie beim Umkehrschluss geht es darum, gegen ein Ausschöpfen der Semantik und ein Ausreizen der Logik die Regelung zur Geltung zu bringen, auf die die entsprechende Vorschrift vor allem entsprechend ihrem Rechtstextzusammenhang, den erkennbar mit ihr verbundenen Zwecken und ihrer Geschichte im Laufe juristischen Setzens und Entscheidens beschränkt bleiben sollte, ohne dass sie dies mit ihren eigenen Worten noch einmal eigens sagen würde.
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