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Analogie 
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Der Analogieschluss setzt eine Lücke im geschriebenen Gesetzestext voraus, sowie eine gleichartige Interessenlage. Als Gegenbegriff zur abschließenden Auslegung bedarf er einer besonderen Begründung. Eine Analogie ist nur möglich, wenn eine Lücke im Gesetzestext zu begründen ist, entweder aus einem nur unvollständig realisierten Plan des Gesetzgebers oder aus einem höherstufigen Prinzip. Im ersten Fall spricht man von einer Lücke gemessen am Willen des Gesetzgebers bzw. seinem Plan. Diese Lücke ist extrem selten, da der Gesetzgeber keinen Plan hat. Häufiger dagegen wird die Annahme einer Lücke mit einem höherstufigen Prinzip begründet etwa einer grundrechtlichen Garantie in der Verfassung.

Im Bereich der Eingriffsverwaltung ist eine Analogie verboten, wegen des aus dem Rechtsstaatsprinzip abzuleitenden Gesetzesvorbehalts und der funktionellen Gewaltenteilung. Der Richter darf sich nicht zum Gesetzgeber erster Stufe machen, d.h. er darf keine Normtexte produzieren. Denn die Konkretisierung der Verfassung zu Normtexten ist Aufgabe der Parlamente. Er ist nur Gesetzgeber zweiter Stufe, d.h. er sagt, was der Normtext für den Fall bedeutet. Er füllt das vom Gesetzgeber geschaffenen Textformular aus, vollendet die Rechtserzeugung, die vom Parlament begonnen wurde. Der Richter kann im Bereich der Eingriffsverwaltung nicht unter Konkretisierung von Verfassungsprinzipien oder in Vollendung des gesetzgeberischen Plans Normtexte setzen. Nur zu Gunsten des Bürgers kann er im Rahmen der systematischen Auslegung höherstufige Prinzipien heranziehen um einschränkende Merkmale der Voraussetzungen des einfachen Gesetzes zu überwinden. Ein Beispiel wäre die Schaffung der vorbeugenden Leistungsklage in der VwGO. Nach der Systematik dieses Gesetzes setzt die Leistungsklage eine gegenwärtige Außenrechtsbeziehung voraus. In Extremfällen drohender Rechtsvereitelung kann Art. 19, 4 GG dazu führen, auf das Merkmal der Gegenwärtigkeit zu verzichten. Ein weiteres Beispiel wäre die Schaffung des Kommunalverfassungsstreits als Konsequenz eines verfeinerten Gewaltenteilungsprinzips.
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