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Systematik 
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Die systematische Auslegung eröffnet nicht einen Kontext des Gesetzes, aus dem dann der Regelungsgehalt entnommen werden kann. Sie engt die Vielfalt der Möglichkeiten zur Interpretation nicht ein, sondern erweitert sie unabsehbar. Die systematische Auslegung eröffnet mit jedem herangezogenen Text einen neuen Zusammenhang, der den Normtext wieder in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Das Grundproblem der systematischen Auslegung liegt in der Auswahl und Verknappung. Denn man bräuchte dazu einen Blick auf das Ganze der Rechtsordnung, sowie ein stabiles Zentrum als Ausgangspunkt. Aus der politischen Mahnrhetorik ist die Technik bekannt, das "Ganze" aufmarschieren zu lassen. Ziel ist es die starke Hand über die "Teile" herrschen zu lassen, indem man ihnen ihren Platz anweist ganz so, wie der Dompteur dem Löwen seinen Schemel.

Indes ist diese Technik, den Platz des Ganzen zu besetzen für eine seriöse Argumentation nicht gangbar. Das Ganze kann nicht den Teilen gegenübergestellt werden, ohne dass logische Aporien entstehen. Denn selbst dort, "wo bei der Konkretisierung der Norm A das Verfahren systematischer Auslegung 'rein' durchführbar sein sollte - was meist nicht der Fall sein wird -, wären die übrigen Konkretisierungsmomente zumindest in Bezug auf die zur Klärung der Wirkung von A herangezogenen Normtexte B, C, usw. aktuell, da B, C usw. damit gleichfalls für den anstehenden Rechtsfall für den anstehenden Rechtsfall konkretisierungsbedürftig und insofern (zumindest indirekt) 'einschlägig' werden." (F. Müller, Juristische Methodik, 7. Aufl., Berlin 1997, Rn. 367) Hinzu kommt, dass die Systematik eines Gesetzes und schon gar der ganzen Rechtsordnung nicht frei von Widersprüchen ist.

Es bleibt also das Auswahl- und Begrenzungsproblem. Und der Schlüssel für dessen unter rechtsstaatlichen Vorgaben annehmbare Bewältigung liegt zuallererst in seiner Anerkennung. Daraus ergeben sich dann auch die entsprechenden Begründungsanforderungen. Die einzelnen Konkretisierungsschritte, für die Auswahl und den Ausschluss von Lesarten funktionieren als Instrumente zur Überprüfung von Bedeutungshypothesen. Nicht anders im übrigen als bei der grammatischen Auslegung, mit der die systematische denn auch Hand in Hand geht. Alles in allem kann also die Systematik nie allein entscheidend sein. Konsequent durchgeführt führt sie ins Uferlose. Sie bedarf, um Ergebnisse zu produzieren der Strukturierung durch juristische Schlussfiguren.
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