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Recht&Sprache Recht und Sprache
Linguistik Rechtslinguistik: Sprache des Rechts
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Konstruktion 
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Der heutige Ansatz liegt beim Leser. Die Bezeichnungen dafür sind verschieden: Rezeptionsästhetik, reader orientated criticism oder Konstruktivismus. Man kommt damit auf eine Wahrheit zurück, die schon Lichtenberg formulierte, wenn er das Lesen als Picknick bezeichnete, zu dem der Autor die Wörter und der Leser die Bedeutung beisteuern. Wenn man so den Vorgang des Lesens ins Zentrum rückt, heißt das natürlich nicht, dass Autor und Text verschwinden. Sie treten nur zurück als Ursprung bzw. Gegenstand der Bindung des Lesers. Sie tauchen aber wieder auf als Widerstände für die Konstruktionen des Lesers. Denn der Leser ist bei der Konstruktion der Bedeutung nicht frei. Er wird formiert in seiner Lesetechnik durch Ausbildung und jeweilige Kultur. Mitreden über die Bedeutung darf er erst als "projektierter Leser", "informierter Leser", "Modell-Leser", "Superleser" usw. Der juristische Leser wird formiert durch Ausbildung und Prüfungsdruck. So wie man die professionellen Standards des Verbrechens erst im Strafvollzug lernt, so lernt man als Jurist die professionellen Standards des Lesens im Sprachvollzug beim Repetitor. Erst durch die Sprachdressur in der Ausbildung ist es möglich, dass sich die Konstruktionen juristischer Leser überschneiden oder ähneln. Sie erinnern die Situation beim Repetitor: Auf die Frage nach der Abgrenzung von Anscheinsgefahr, Putativgefahr und Gefahrenverdacht musste man die richtige Antwort geben, sonst landete man schnell in der Kategorie Looser der Woche.

Das Ziel der Auslegung eine Hierarchie herzustellen zwischen heiligem Text und abgeleitetem Text lässt sich also nur durch eine Formierung des Lesers erreichen. Wie diese Formation des Lesers aussehen soll, hängt natürlich davon ab, was man vom Leser bzw. Juristen erwartet.
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