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Recht&Sprache Recht und Sprache
Linguistik Rechtslinguistik: Sprache des Rechts
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Beobachtung 
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Juristen entscheiden Sprachkonflikte und definieren damit die Welt, in der wir leben. Ihr Tun ist von höchster Wichtigkeit, und deswegen muss man sie genau beobachten.

Beobachtet werden die Gerichte manchmal von der Öffentlichkeit, aber zumeist von der Rechtswissenschaft, das heißt ihrem dogmatischen Teil. Diese Beobachtung ist als Rückkopplungselement für die Demokratie von großer Wichtigkeit. Bei ihrem Tun werden die Dogmatiker wiederum beobachtet von den Rechtstheoretikern bzw. -methodikern. Und schließlich sollte man die (Rechts-)Philosophen nicht vernachlässigen, die wiederum den Beobachter bei der Beobachtung des Nichtbeobachtbaren beobachten oder knapp ausgedrückt, sie betrachten das Passieren des Gerechtigkeitsproblems im Rechtssystem. Diese verschiedenen Beobachter stehen in keinerlei hierarchischem Verhältnis und lassen sich natürlich auch nicht sinnvoll trennen. Ein Dogmatiker, der ohne Methodik Vergangenes mit überholten Theorien. Ein Rechtstheoretiker, der ohne dogmatische Kenntnisse und philosophisches Problembewusstsein beobachtet, wäre dagegen blind und taub. Denn er könnte weder die Probleme erkennen, mit denen die Gerichte sich herumschlagen, noch den Anruf der Gerechtigkeit hören. Deswegen macht eine Beobachtung von Gerichten nur Sinn, wenn sie alle drei Perspektiven miteinander kombiniert.

Wenn man erfassen will, was ein Gericht in der Sprache tut, geht man am besten in drei Stufen vor: Zunächst muss das Selbstverständnis des Gerichts geklärt werden, wie es sich etwa in methodischen Leitentscheidungen artikuliert. Dann bedarf es einer möglichst genauen Beschreibung der tatsächlichen Vorgehensweise. Wenn diese dann komplexer ist als das theoretische Selbstverständnis, ist es möglich im Wege einer Rechtserzeugungsreflexion zu einer größeren Annäherung von Theorie und Praxis zu gelangen. Eine normative Folie ergibt sich dabei aus den methodenbezogenen Normen des jeweiligen Rechtsgebietes und der Notwendigkeit das Problem der Gerechtigkeit nicht nur offenzulegen sondern auch offenzuhalten. Der Möglichkeits- und Plausibilitätsraum einer solchen Rechtssprechungsanalyse wird definiert durch das, was Sprache, Gesellschaft und Politik zulassen.
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