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Methodik
Recht&Sprache Recht und Sprache
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juristische Sprachtheorie
Die Fiktion vom Text als Repräsentant der Rechtsnorm und von der Auslegung als Erkenntnis enthalten eine Sprachtheorie. Diese sehr spezielle Sicht auf die Sprache als Dienstmagd juristischer Legitimationsbedürfnisse wird neuerdings expansiv vertreten und gibt sich als Theorie der Sprache überhaupt aus.

Genau darin besteht die bizarrerweise so genannte "sprachphilosophische Wende" der juristischen Methodendiskussion. Es handelt sich dabei um Versuche zur zitatweisen Annexion sprachwissenschaftlicher Theoreme. Entschlossen sind die so gewendeten Juristen zum Transfer von Fremdautorität. Wahllos sind sie bezüglich des Gegenstands. Die Versuche zur Übernahme, oder besser gesagt zur gnadenlosen Anwendung reichen dabei von der einer an logischen Idealsprachen orientierten Semantik über die generative Transformationsgrammatik und die strukturalistische Textlinguistik, schließlich sogar bis zur Sprechakttheorie.

Zumindest an Kühnheit lässt der juristische Zugriff auf die Sprachwissenschaft dabei nichts zu wünschen übrig. Man dringt blitzschnell mit Hilfe eines Einführungslehrbuchs auf das fremde Gebiet vor, erschlägt alle Differenzierungen, die sich immerhin auch bei handfesten Systemlinguisten noch finden, rafft einigermaßen handliche Formeln zusammen und pflanzt sie als Banner einer neuen Bedeutungstheorie in der Jurisprudenz auf. Und um die Rechtsgrundlagen des eigenen Vorgehens nie verlegen, rechtfertigt man das Ganze noch damit, dass man den Juristen das Amt des Sprachwächters zuweist. Es handelt sich beim Vorgehen dieser mutigen Juristen nicht eigentlich um einen Akt der Instrumentalisierung, sondern eher um eine polizeiliche Aktion, welche die von Verwahrlosung bedrohte Linguistik wieder zur grundlegenden Ordnung der Sprache zurückruft.

Um die einzige Bedeutung des Rechtstextes zu garantieren, muss die juristische Theorie die Komplexität der Sprache vereinfachen. Die erste Vereinfachung liegt darin, dass man von der Sprache ausgeht, als sei diese eine überschaubare und homogene Größe mit Normen, die überall und für jeden gleich 'gelten'. Die zweite Vereinfachung betrifft den Kontext einer geäußerten Zeichenkette, welcher als endlich und beherrschbar vorausgesetzt wird, um so die Klarheit der Begriffe zu garantieren. Die dritte Reduktion will eine identische Wiederholung von sprachlichen Regeln ohne verschiebenden Charakter annehmen. Nur unter der Voraussetzung einer homogenen Sprache, deren Regeln in der Wiederholung stabil bleiben, und eines endlichen Kontextes kann dann behauptet werden, dass dort, wo ein Sprachgebrauch korrigiert werde, die "Sprachwidrigkeit" einer entsprechenden Deutung und die einzige Bedeutung feststehe.

Rtta 22 ff.
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