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Methodik
Recht&Sprache Recht und Sprache
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Spracharbeit
Der Ausgangspunkt für die Spracharbeit der Juristen ist die Krise. Kommunikation läuft nicht als reibungslos eingespielte Gewohnheit, wo Unklarheiten entweder einvernehmlich beseitigt oder als irrelevant behandelt werden. Vielmehr besteht über die Fortsetzung der Kommunikation Streit. Dieser wurde durch Einschaltung von professionellen Juristen, durch Anfertigung von Schriftsätzen, Ausgestaltung eines Verfahrens usw. allmählich auf den Gesetzestext hingeführt, um dessen Lesart jetzt ein Konflikt besteht.

Eine erste und sicher naheliegende Reaktion auf diese Krise ist, auf die Sprache selbst zurück zu gehen. Darauf was die Wörter, um die Streit besteht, wirklich bedeuten. Daher neigt man dazu, die Bedeutung der einzelnen Worte zu isolieren. In der Sprachwissenschaft ist heute allerdings anerkannt, dass sich eine funktionierende Sprache nur als Gesamtheit beschreiben lässt. Die Bedeutung eines einzelnen Wortes verweist auf die entwicklungsoffene Gesamtheit aller anderen und kann vielleicht nur im Zusammenhang gemeinsamer Überzeugungssysteme bestimmt werden. Die Sprache lässt sich nicht begreifen nach der Architektur der Großrechner, wo es eine Zentraleinheit gab, in der die Regeln gespeichert waren, und Terminals, wo diese Regeln lediglich angewendet wurden. Vor allem die Sprachgeschichte hat gezeigt, dass die Ordnung der Sprache nach dem Muster des Marktes als "invisible-hand-Phänomen" entsteht. Sie gleicht eher einem Netz, dessen Architektur vom einzelnen Nutzer - mehr oder weniger relevant - mitgestaltet wird. In ihrer sprachlichen Praxis verfahren Juristen dementsprechend. Dort behandeln sie Bedeutung nicht als dem einzelnen Wort anhaftende Substanz. Vielmehr verwenden sie die canones und andere Schlussformen als "links" im "hypertext" des Rechts, um die mehrdimensionalen Beziehungsgeflechte in der Bedeutung eines Wortes schrittweise herauszuarbeiten. Die Rechtstheorie als Beobachtung juristischer Praxis bleibt allerdings hinter dieser Komplexität zurück. Man verlegt das, was Ergebnis juristischen Handeln ist, an den Anfang und begreift die Bedeutung des Gesetzes als normativ.

Vor der Not zur Entscheidung rettet den Juristen kein höheres Wesen von Recht. Die Arbeit daran kann er nur selbst tun. Wenn das Recht nicht vorgegeben ist, sondern erzeugt werden muss, ist es vollständig auf Sprache angewiesen. Durch den allein sprachlich möglichen Zugriff jedoch kommt die Jagd auf den Geist des Rechts nicht zur Ruhe. Sie wird damit vielmehr erst so richtig eröffnet. Jedes Wort zum Recht, jede Festlegung des Rechts auf einen ihm zukommenden Ausdruck liefert dem Widerwort den Bezugs- und Angriffspunkt, den es braucht. Einmal ganz abgesehen davon, dass dies ohnehin der sie fordernde Anlass und Grundstand juristischer Textarbeit ist. Just in dem Moment, in dem der Jurist meint, das Recht beim Wort nehmen zu können, entschlüpft es ihm als Sprache. Das Recht verflüchtigt sich zum Problem einer Entscheidung über die Sprache, zu der es zu bringen ist.
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