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Methodik
Recht&Sprache Recht und Sprache
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Praxis der Sprache
Begreift man Sprache konsequent als eine Praxis, dann kommt man nicht umhin einzusehen, dass Bedeutungen von Wörtern und Texten nicht auf vorgebliche Gemeinsamkeiten und Allgemeinheiten zurückführt werden können, die dem Sprachgebrauch zugrunde liegen und ein Verständnis lenken und leiten würden. Dieses geht ganz in einer Dynamik wechselseitiger Hypothesenbildung auf, in der allenfalls Ausgangstheorien der Sprecher anleitend wirken. Allerdings nur um den Preis ihrer ständigen Modifikation durch jene "Übergangstheorien", mit denen die Sprecher sich immer wieder einen Reim auf das einander Gesagte machen. Das ist die Quintessenz von Donald Davidsons radikaler Auflösung des herkömmlichen Sprachbegriffs, die allein übrig bleibt, will man sich nicht um irgendwelcher theoretischer Gespinste und "Luftgebäude" um die praktischen "Verhältnisse unsrer Sprache" herum mogeln oder gar lügen. Von daher muss auch immer wieder bis zum Überdruss darauf hingewiesen und gestoßen werden notorisch gerade dann, wenn es um juristische Spracharbeit geht. Allerdings nicht nur um die. Auch Linguisten tragen nach wie vor zur Mär von der Sprache, die wir alle sprechen bei. Für das "Sprachvermögen" aber, d.h. für die "die Fähigkeit zur sprachlichen Kommunikation", die "in der Fähigkeit besteht, sich verständlich zu machen und zu verstehen" bedeutet die Einsicht in Sprache als Praxis nichts anderes, als dass wir "keinen erlernbaren, gemeinsamen Kern widerspruchsfreien Verhaltens ausfindig" machen können, "keine gemeinschaftlichen Regeln, keine tragbare Interpretationsmaschine, die so eingestellt ist, dass sie die Bedeutungen beliebiger Äußerungen ausspuckt." (D. Davidson, Ein hübsche Unordnung von Epitaphen, in: E. Picardi / J. Schulte (Hrsg.), Die Wahrheit der Interpretation. Beiträge zur Philosophie Donald Davidsons, Frankfurt/M. 1990, S. 203 ff., 225 f) Wenn man Bedeutung haben will, so muss man sie sich machen. Und wenn man will, dass die zum gemeinsamen Bestand und zur allgemeinen Richtlinie der jeweiligen Gemeinde von Sprechern werden soll, dann muss man sich damit gegen all die anderen durchsetzen, die sich ihre Bedeutungen machen und von denen genau das wollen.

Sprache erfährt ihre Form und Prägung immer wieder erst durch ihren Vollzug. Die Entscheidung über sie steht eigentlich mit jeder Frage nach der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke an, da Sprache nun einmal in ihrem Ausdruck nicht ohne Bedeutung zu haben ist und jegliche Bedeutung der Äußerung bedarf. Und die Entscheidung über sie steht natürlich erst recht auf der Tagesordnung, wenn der Streit über die Bedeutungen ausbricht. Besonders deutlich wird dies etwa, wenn es darum geht, sich ein Wort überhaupt anzueignen, es zu "erwerben".
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