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Methodik
Recht&Sprache Recht und Sprache
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Ordnung der Sprache
Die Ordnung der Sprache ist nichts, was im Belieben des einzelnen Sprechers stünde. Um "frei" sprechen zu können, muss dieser die Sprache schon voraussetzen. Diese Ordnung ist aber andererseits nicht als objektive Größe von der Sprache "selbst" vorgegeben. Genauso wenig wie es eine Einheit der Rechtsordnung gibt, gibt es eine Einheit der Sprache, die etwa als System der langue einem einzelnen Sprecher verfügbar wäre. Sie liegt vielmehr als Erscheinung der dritten Art zwischen diesen Extremen: "Unsere Sprache ist, wie alle natürlichen Sprachen, weder natürlich noch künstlich. Sie ist weder ein Naturphänomen noch ein Artefakt. Sie ist ein Phänomen der dritten Art, die unbeabsichtigte Konsequenz individueller (intentionaler) kommunikativer Handlungen. Während Naturphänomene kausale Erklärungen fordern und Artefakte intentionale (finale), ist der adäquate Erklärungsmodus eines Phänomens der dritten Art die invisible-hand-Erklärung" (R. Keller, Bemerkungen zur Theorie des sprachlichen Wandels, in: ZGL 1984 S. 63 ff, 66). Die Ordnung der Sprache ist damit weder von objektiver Natur als geschlossenes System noch von subjektiver Natur als Vereinbarung freier Individuen. Sie ist vielmehr die unbeabsichtigte Nebenfolge individuellen Sprechens.

Der juristischen Suche nach einer sprachlichen Ordnung lässt sich also nicht entgegenhalten, dass es eine solche Ordnung überhaupt nicht gebe. Die Juristen erwarten jedoch zuviel von der Kategorie "sprachliche Ordnung". Der in der Sprache aufweisbare Zusammenhang ist nicht von der Art, dass er die Probleme der Juristen hinsichtlich der Legitimation ihres Handelns stellvertretend für eben diese handelnden Juristen lösen könnte. Die Sprache ist nicht, wie das Bild vom Richter als Mund des Gesetzes nahe legt, dem Sprechen vorgeordnet. Vielmehr entsteht die Sprache aus dem Sprechen, aus Bedeutungserklärungen, Normierungen und Normierungskritik. Dabei lässt sich die gewordene Sprache als Werk nicht gegen das sprachliche Wirken als Herstellung dieses Werks ausspielen oder von dieser trennen: "Denn das Phänomen der dritten Art ist nicht eines von beiden - Bildungsprozess oder Resultat - sondern beides zusammen; zumal ja, was wir Resultate nennen (...) keine Endresultate von Bildungsprozessen sind, sondern Episoden in Prozessen kultureller Evolutionen, die weder einen angebbaren Beginn noch ein angebbares Ende haben." (R. Keller, Zur Theorie sprachlichen Wandels, in: ZGL 1982, S. 1 ff, 11.) Die Sprache ist damit nicht eine apriorische Ordnung des Sprechens, sondern sie wird als kontingente Ordnung von bestimmten Sprachspielen in der jeweiligen semantischen Praxis verändert oder bestätigt.


Rtta 25 f.
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