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Methodik
Recht&Sprache Recht und Sprache
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Sprache und Diskurs
Es gibt nichts außerhalb vom Diskurs, wie man in Abwandlung des Derridaschen Spruchs über Text sagen kann, weil nichts anders gegeben ist, weil es "keinen nicht-diskursiven Zugang zu dem Bereich gibt, auf den sich Sprache und Diskurse beziehen". (Gabriele Löschper, Bausteine für eine psychologische Theorie richterlichen Urteilens, Baden-Baden 1999, S. 159.) Einschließlich der Sprache "selbst". Damit nimmt die Diskursanalyse nicht nur für ihren Teil der sprachlich sozialen Phänomene konsequent Abschied vom "Mythos des Gegebenen". Sie führt auch geradezu zwangsläufig zu einer abermaligen Ausweitung und Modifizierung der ohnehin "im Handlungsbegriff etwa gegenüber einer syntaxtheoretischen Linguistik schon implizierte(n) Erweiterung des Sprachbegriffs durch den Diskurs-Begriff". (Christoph Sauer, Der wiedergefundene Sohn. Diskursanalyse eines Strafverfahrens vor dem niederländischen 'Politierechter', in: Ludger Hoffmann (Hg.), Rechtsdiskurse. Untersuchungen zur Kommunikation in Gerichtsverfahren, Tübingen 1989, S. 63 ff., 65.) Sofern "'Diskurs' (...) stets lediglich die sprachlich-schriftliche Seite einer 'diskursiven Praxis' (ist)" (Jürgen Link / Ursula Link-Heer, Diskurs / Interdiskurs und Literaturanalyse, in: LiLi, Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 77, 1990, S. 88 ff., 90.), erweist sich umgekehrt Sprache immer unbedingt auf diese Praxis angewiesen, durch die allein sie zu ihrer Bedeutung kommt. Sie "existiert und lebt (...) nur durch Sprechen" ebenso, "wie im Sprechen die Sprache verändert (wird)." (Gabriele Löschper, Bausteine für eine psychologische Theorie richterlichen Urteilens, Baden-Baden 1999, S. 65.) In der Perspektive von Diskurs wird Sprache in ihre eigene Praxis "heimgeholt". Sie "ist insgesamt eine gesellschaftliche Form, die lediglich in der Transindividualität gesellschaftlichen Handelns sich erfüllt." (Konrad Ehlich / Jochen Rehbein, Sprachliche Handlungsmuster, in: Hans Georg Soeffner (Hg.), Interpretative Verfahren in den Sozial- und Textwissenschaften, Stuttgart 1979, S. 241 ff., 247.) Das heißt, sie ist nichts anderes als einer all der "Prozesse im Raum zwischen den Subjekten". (Hartmut Winkler, Docuverse. Zur Medientheorie der Computer, München 1997, S. 53.)

Damit erweist sich die "Vorstellung, die Worte der Sprache seien etwas 'Volles' und ruhten gesättigt - gesättigt am Diskurs, wenn auch nicht mehr mit 'Bedeutung' unmittelbar - in sich selbst" (So Hartmut Winkler, Metapher, Kontext, Diskurs, System, in: Kodikas/Code. Ars Semiotika, Vol. 12, Nr. 1/2, 1989, S. 21 ff.;), so wie sie auch die herkömmliche juristische Sprachtheorie prägt, einmal mehr als Illusion. Die diskursanalytische Theorie zeigt unabweisbar, "dass die Sprache mehr ist als nur ein passives Medium für den Transport von Bedeutungen. Sie ist nur scheinbar transparent und beliebig; je genauer man sie betrachtet, desto deutlicher wird, dass ihre jeweilige Organisationsform - ihre diskursive Struktur - nicht unwesentlich an den 'Bedeutungen' beteiligt ist". (Peter Schöttler, Sozialgeschichtliches Paradigma und historische Diskursanalyse, in: Jürgen Fohrmann / Harro Müller (Hg.). Diskurstheorien und Literaturwissenschaft, Frankfurt/M. 1988. S. 159 ff., 179 f.) Diese können im Sog der ihrer Praxis immer nicht mehr sein als "eine Art Niederschlag, den die konkreten Verwendungen im Diskurs an den Wörtern hinterlassen haben. Jede einzelne Verwendung appliziert etwas von der komplexen kontextuellen Bedeutung der Sequenz, in der das Wort steht, auf das einzelne Wort, jede einzelne Verwendung hinterlässt eine Spur; diese Spur allerdings wird nur dann Bestand haben, wenn nachfolgende Diskurse sie aufgreifen und bestätigen; in allen anderen Fällen wird sie im Rauschen der Diskurse untergehen." (Hartmut Winkler, Metapher, Kontext, Diskurs, System, in: Kodikas/Code. Ars Semiotika, Vol. 12, Nr. 1/2, 1989, S. 21 ff.;)
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