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Methodik
Recht&Sprache Recht und Sprache
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Sprache und Bedeutung
Wenn man es sich also angelegen sein lässt, von der "Bedeutung" zu sprechen, die den sprachlichen Ausdrücken zukommt, so kann man daher von nichts anderem sprechen, als über "ein Wiederholungsphänomen, ein(en) statistische(n) Effekt über der unübersehbaren Menge parallellaufender Diskurse. Und umgekehrt sind es die konkreten Kontexte, die die Worte 'informieren'; die Diskurse 'arbeiten am System', bauen Bedeutungen auf und tragen Bedeutungen ab". (Hartmut Winkler, Metapher, Kontext, Diskurs, System, in: Kodikas/Code. Ars Semiotika, Vol. 12, Nr. 1/2, 1989, S. 21 ff.;) Und wenn man sich schon begrifflich abstrakt "Sprache" freistellen will, ohne der Einsicht in ihre Diskursivität verlustig zu gehen, so bietet sich als "Grundvorstellung - oder eine Art Leitmetapher" an, "Sprache als ein n-dimensionales Netz modellieren. Die Worte oder semantischen Einheiten werden als 'Knoten' verstanden, die durch eine Vielzahl negativ-differenzieller Verweise aufeinander bezogen sind; ihre Positionen im Netz ergeben sich ausschließlich aus der Struktur der Verweise; semantische Nähe oder Ähnlichkeit ist entsprechend nicht substanziell bestimmt, sondern ergibt sich aus der Ähnlichkeit der Verweisstruktur; Differenz, Kontrast oder Abstoßung sind basal, um das System als eine n-dimensionale Struktur überhaupt zu artikulieren." (Hartmut Winkler, Docuverse. Zur Medientheorie der Computer, München 1997, S. 32.)

"Jeder Begriff steht im Schnittpunkt einer Vielzahl von paradigmatischen Achsen". (Hartmut Winkler, Docuverse. Zur Medientheorie der Computer, München 1997, S. 30 f.) Und Bedeutung, verstanden, oder doch wohl eher erhofft, als Fülle, Präsenz und Substanz gibt es paradoxerweise nur um den Preis ihres Augenblicks. Alle die Äußerungen und Texte, in denen die diskursiven Praktiken ihren Gang nehmen und sich niederschlagen, "müssen nun als ein 'Durchlauf' durch die Netzstruktur, als eine Inanspruchnahme bereits gebahnter Wege erscheinen. Die syntagmatische Anreihung in der manifesten Kette erscheint als eine Aktualisierung bereits etablierter Assoziationen. Jeweils eine der Assoziationen wird für die Fortsetzung der Kette ausgewählt, alle anderen werden verworfen; einen Moment lang stehen sie als 'Volumen der Bedeutung' zur Verfügung, dann lässt die Kette den entsprechenden Ort im Netz hinter sich." (Hartmut Winkler, Docuverse. Zur Medientheorie der Computer, München 1997, S. 30 f.) Wobei "Assoziation", hier im Anschluss an Saussure "entpychologisiert und an das sprachliche Funktionieren" gebunden zu verstehen ist. (Hartmut Winkler, Docuverse. Zur Medientheorie der Computer, München 1997, S. 38.)

Der "Kette" der Überlegungen zu den "Verhältnissen unsrer Sprache" hier hat dies jedenfalls mit dem Ort getan, den die herkömmliche juristische Sprachtheorie einnimmt in der Hoffnung, der Sprache ganzer Fülle habhaft zu werden, und damit deren Flüchtigkeit gezeigt. Im Endeffekt ändert sich in der Perspektive der diskursanalytischen Theorie das Bild von "Sprache", derart radikal, dass ihm die juristische Sprachtheorie als diskursive Praxis selbst noch verfällt. Denn konnte hier nicht der Knoten, den die herkömmliche juristische Theorie mit ihrer Festlegung auf eine vermeintlich in jener "selbst" ruhenden, unumstößlichen Bedeutung von "Sprache" geschürzt hat, mit flinken Fingern durch die Nachfrage nach dem Diskurs dieser Theorie gelöst werden?
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