start
Technische Hinweise glossar • • • lectures suche sitemap impressum
Methodik
Recht&Sprache Recht und Sprache
register
Positivismus
Die Frage, welche Vorgaben der Gesetzestext für eine juristische Entscheidung macht, wird vom Positivismus eindeutig beantwortet: Der Gesetzestext bedeutet die hinter ihm stehende Rechtsnorm; und Geltung des Gesetzes heißt, dass man genau diese in der Textbedeutung objektivierbar vorgegebene Rechtsnorm auf den Fall anwendet.

Zentrumdieser Struktur ist eine dem richterlichen Sprechen von der Sprache objektiv vorgegebene Bedeutung. Sie wirkt als Brücke zwischen Normtext und repräsentierter Rechtsnorm. Diese Brücke besteht und funktioniert unabhängig von den normativen Anforderungen und Regeln des juristischen Handelns als objektiver sprachlicher Artefakt. Der Richter steht deshalb bei seiner Entscheidung nicht vor einem Gestaltungs-, sondern nur vor einem Erkenntnisproblem. Die in der Realität komplexe und von der sprachlichen Aktivität der Sprecher gerade nicht unabhängige sprachliche Ordnung wird damit zu einem abgeschlossenen Code stillgestellt. Wenn man "normativ" all die Umstände nennt, die der anstehenden Entscheidung ihre Richtung geben, so ist diese Normativität der herkömmlichen Konzepte sowohl vom Subjekt als auch vom Argumentationsprozess vollkommen abgelöst und in die Sprache projiziert. Die Sprache wird zum Subjekt des Rechts und zur Quelle der Normativität. Allerdings nur um den Preis, dass die Dynamik wirklicher Rede verdrängt wird und die Sprache einfriert zur statischen Ordnung eines Sprachgesetzbuchs.

Damit sind für den klassischen Positivismus die Probleme gelöst. Die Fragen nach den Vorgaben des Textes für die Entscheidung, nach der Struktur juristischer Textarbeit und nach deren Rechtfertigung werden zu einem einzigen Zusammenhang kurzgeschlossen: Dem Normtext ist objektiv und ein-eindeutig die sprachliche Bedeutung zugeordnet, welche gleich einem Behälter die auf den Fall anzuwendende Rechtsnorm enthält. Wenn der Rechtsanwender über die Brücke der Bedeutung zu der hinter dem Text liegenden Rechtsnorm gelangt ist, hat er die Vorgaben des Textes ausgeschöpft, als Arbeitsleistung eine Bedeutungs erkenntnis erbracht und ist genau insoweit legitimiert. Die Geltung des Normtextes verlangt eine Beachtung seiner objektiv vorgegebenen Bedeutung; und soweit dies geschieht, reicht auch die Rechtfertigung richterlichen Sprechens. Geltung, Bedeutung und Rechtfertigung sind zu einer einzigen Struktur verbunden.

Rtta 19 ff.
Druckfassung
Das könnte
Sie auch interessieren:

Repräsentationsmodell
Zum Anfang
Wir sind an Ihrer
Meinung interessiert
info@rechtslinguistik.de
Wir freuen uns
auf Ihre Anregungen
Zum Anfang
© RC 2003 ff.