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Methodik
Recht&Sprache Recht und Sprache
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Normativität von Bedeutung
Jede Beschreibung und Erklärung der Bedeutung eines Ausdrucks reduziert zur Festlegung seiner Verwendung darauf sprachliche Vielfalt. Was die für die Idee der Normativität von Bedeutung also zur Voraussetzung macht, nämlich dass diese als eine bestimmte dem Sprachgebrauch vorgegeben und leitend für ihn ist, ist in Wahrheit das Ergebnis der Bemühungen um eine Festlegung und Verpflichtung auf solche Bedeutung. Die Grenzen zulässiger Sprachverwendung, an denen sich Sinn von Unsinn scheidet, leiten sich nicht aus der Sprache ab, sondern "zu sagen, 'diese Wortverbindung hat keinen Sinn' schließt sie aus der Sprache aus und umgrenzt dadurch das Gebiet der Sprache." (Ludwig Wittgenstein, Philosophische Grammatik. Werkausgabe Bd. 4, Frankfurt/M. 1984, § 137) Sprachnormen, als Demarkationen dieses Gebietes, sind somit zuallererst selbst einmal "Sinngebilde" und "Sinngebungen". Sie sind Verwendungen von Bedeutungserklärungen zu diesem Zweck. Die Bedeutungsbeschreibungen und -erklärungen gewinnen ihre Rolle als normative Festlegungen auf einen bestimmten Sprachgebrauch wiederum aus den praktischen Lebenszusammenhängen heraus, in denen sie als derlei Äußerungen fungieren. Der Holismus ist kein isoliertes Phänomen. Er ist durchgängig allem zu eigen, was irgend von Bedeutung ist.

Daher geht der normative Schub, sich an die eingefahren übliche Bedeutung sprachlicher Ausdrücke zu halten, wenn man als verständiger und kompetenter Sprecher gelten will, nicht von einer als Norm etablierten Bedeutung sprachlicher Ausdrücke aus. Er kann von der Gemeinschaft ausgehen, wenn sie sich zum Sinn oder Unsinn bestimmter Sprachverwendungen äußert. Entsprechend ist es auch nicht die Bedeutung, die die Wörter in dieser Weise nun einmal haben, die solchen Zwang begründet. Es ist im Zweifelsfall die Gemeinschaft, die sich dafür zu rechtfertigen hat, darauf zu bestehen. Damit stoßen wir auf das Problem von Sprachnormen. Diese sind Kodifizierungen von Regeln: "Den meisten Regeln bzw. Handlungsmustern, denen wir täglich folgen, folgen wir blind, d.h. ohne eine Beschreibung dieser Regeln im Kopf zu haben. Normen - im Unterschied zu anderen Regeln - verlangen dagegen nach Beschreibungen bzw. Formulierungen, und zwar deswegen, weil Normierer und Normenadressaten (diejenigen, die einer Norm unterliegen) auf den Gegenstand der Norm verweisen können müssen (...)."(Rainer Wimmer, Sprachkritik und reflektierter Sprachgebrauch, in: Sprache und Literatur 1983 S. 3 ff., 7. ) Für Sprachnormen ist charakteristisch, dass sie sich Verbindlichkeitscharakter beilegen und ihren Anlass in einem Sprachkonflikt finden.
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