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Sprachnorm als Sinnzuschreibung
Holismus ist keine Sonntagsveranstaltung. Er ist selbst ungeteilt und führt auch über das Moment semantischer Kompetenz nicht ein unabhängiges Fundament von Normativität von Bedeutung durch die Hintertür ein. Deren Kenntnis als ein Können besteht wiederum in nichts anderem als in den Verhaltensweisen und Überzeugungen, in die sich der Sprecher mit seinen Mitmenschen aufgrund wiederum von deren Anerkennung dieser Verhaltensweisen und Überzeugungen teilt, die diese erwidern, von denen alle genau das erwarten und die sie allein auf diesem Wege als gemeinsame aufrecht erhalten werden. "Sprachnormen als Produkte von Aneignungsprozessen sind diskursiv verfasst." (K: Gloy, Sprachnormen als 'Institutionen im Reich der Gedanken' und die Rolle des Individuums in Sprachnormierungsprozessen, in: K. J: Mattheier (Hg.), Norm und Variation, 1997, S. 27 ff., 31.) Des näheren können sie "somit angesehen werden als deontische Einheiten eines diskursiv vermittelten und sozial abgeglichenen Sprachbewusstseins." (K: Gloy, Sprachnormen als 'Institutionen im Reich der Gedanken' und die Rolle des Individuums in Sprachnormierungsprozessen, in: K. J: Mattheier (Hg.), Norm und Variation, 1997, S. 27 ff., 32.)

Entsprechend erschöpft sich auch der von Sprachnormen ausgehende "Zwang" zu semantischer Konformität allein im Interesse der Beteiligten an einer möglichst reibungslosen und sozial erfolgreichen Kommunikation. Einer also, die mit einem Minimum an Erklärungen zum eigenen Sprachgebrauch und Interpretationsaufwand möglichst umstandslose zu der Sache kommt, an denen den Beteiligten in der sprachlichen Verständigung liegt und um die es ihnen mit ihren Worten zu tun ist. Die Wirksamkeit von Sprachnormen "hängt" also "nicht von der Tatsache ihrer Formuliertheit und deren sprachlich-kommunikativer Übermittlung, sondern von ihrer Verarbeitung auf Seiten der Adressaten ab." (K: Gloy, Sprachnormen als 'Institutionen im Reich der Gedanken' und die Rolle des Individuums in Sprachnormierungsprozessen, in: K. J: Mattheier (Hg.), Norm und Variation, 1997, S. 27 ff., 28.) "Keine Theorie kann folglich allgemein oder anhand der anzutreffenden Norm-Formulierungen oder gar a priori angeben, was in der Sprachpraxis als Sprach-enorm verstanden und behandelt wird. Wie alle sprachlichen Zeichen ist auch das als Norm zu Rezipierende auf Verstehen angewiesen." (K: Gloy, Sprachnormen als 'Institutionen im Reich der Gedanken' und die Rolle des Individuums in Sprachnormierungsprozessen, in: K. J: Mattheier (Hg.), Norm und Variation, 1997, S. 27 ff., 28.) Verstehen aber ist wiederum nichts anderes als "Sinnzuschreibung". Sprachnormen sind somit "interpretierende Rezeptionsprozesse", "Institutionen im Reich der Gedanken". (K: Gloy, Sprachnormen als 'Institutionen im Reich der Gedanken' und die Rolle des Individuums in Sprachnormierungsprozessen, in: K. J: Mattheier (Hg.), Norm und Variation, 1997, S. 27 ff., 27.)

Als Sinnzuschreibungen haben Sprachnormen nur in dem Maße und solange Bestand, so lange sie von den Sprechern aufgrund der Umstände, unter denen sie miteinander umgehen, aufrecht erhalten werden. Ebenso, wie ihre Wirksamkeit von ihrer stillschweigenden Anerkennung abhängt, so ist auch deren Lebensdauer darauf beschränkt, als Sinnzuschreibung fraglos unterstellt zu werden. Mit jeder Äußerung aber kann sich dies aufgrund der Umstände ändern. Und dies betrifft auch auf all die scheinbar umstößlichen Wahrheiten zu, die das Fundament unserer Sprache ausmachen sollen wie etwa die Wahrheit des Satzes, dass "Junggesellen unverheiratete Männer sind."

Als Sinnzuschreibung trägt jede Sprachnorm bereits den Stachel des Rückfalls in den Stand zweifelhafter Behauptungen und Meinungen und ihres Geltungsverlustes in sich. "Die Sprache und ihre Normen ('Regeln') stellen zwar Vorgaben für das Handeln dar, die sich dem Handlungsvorsatz des Subjekts insoweit entziehen, wie sie bereits vor ihm konzipiert und formuliert worden sind." (K: Gloy, Sprachnormen als 'Institutionen im Reich der Gedanken' und die Rolle des Individuums in Sprachnormierungsprozessen, in: K. J: Mattheier (Hg.), Norm und Variation, 1997, S. 27 ff., 28.) Sie sind damit "aber nicht unumgehbar; es handelt sich bei ihnen lediglich um konventionale Notwendigkeiten. Deren Anerkennung erfordert, dass man sich dem Regelwerk auch unterstellen will. Im Unterschied zu der bedingungslosen Unterwerfung unter Naturnotwendigkeiten ist Normen und Regeln nämlich ein Vorbehalt, eine praktische Bedingung vorgelagert: man kann sie aufkündigen." (K: Gloy, Sprachnormen als 'Institutionen im Reich der Gedanken' und die Rolle des Individuums in Sprachnormierungsprozessen, in: K. J: Mattheier (Hg.), Norm und Variation, 1997, S. 27 ff., 29.) Das heißt, "was als Sprachnorm begriffen wird, ist nicht ein für allemal gegeben, sondern muss von den Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft immer wieder und aktiv hergestellt werden." (K: Gloy, Sprachnormen als 'Institutionen im Reich der Gedanken' und die Rolle des Individuums in Sprachnormierungsprozessen, in: K. J: Mattheier (Hg.), Norm und Variation, 1997, S. 27 ff., 32.)

Von daher kann ebenso wenig wie Entscheidung über den Sinn oder Unsinn kann einer Äußerung bzw. Verständnisweise auch die über deren Zulässigkeit und Norm-, bzw. Regelkonformität eine durch Sprache sein. Nicht einmal die Entscheidung darüber, ob die Verwendung eines Ausdrucks sich noch im Rahmen des Üblichen bewegt. Und nicht einmal das Prinzip der Nachsicht ist zwingend. Alles hängt ganz von unserem Interesse an Verständigung als einer Grundentscheidung für die eine Gemeinschaft in der Sprache ab. Folgen wir ihm, so ist die Entscheidung über den Sinn von Äußerungen, die allein deren Verständnis ausmacht, eine über die Bedeutung der verwendeten Ausdrücke. Damit ist sie zuallererst einmal selbst der Begründung bedürftig.
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