start Technische Hinweise glossar • • • lectures schemata suche sitemapimpressum
Recht&Sprache Recht und Sprache
Linguistik Rechtslinguistik: Sprache des Rechts
register
Recht als Hypertext
Es stellt sich gar nicht erst die Frage, ob es sich bei Recht um Hypertext handelt. „Das Besondere des Hypertextes liegt weniger in seiner elektronischen Materialisierung als in seinem Verknüpfungsverfahren.“ Und als ein solches ist Hypertext den Juristen schon immer und auch dort geläufig, wo nicht ausdrücklich die Rede davon ist. Das vertraute Gesetz“buch“ treibt, apostrophiert als ein solches, einen gewissen Etikettenschwindel. Es ist es eher eine Kollektion stark modularisierter Segmente, eine Paragraphensammlung. In den Normtexten „sind die einzelnen Gliederungsteile bis auf die Satzebene herunter für sich allein verständlich, da keine Kohäsion zu benachbarten Abschnitten besteht.“ Ihre Produktion unterliegt permanenten Verschiebungen, Novellierungen, Ergänzungen und Tilgungen, ohne dass dem Gesetz als einem solchen etwas Einschneidendes geschieht. Das erfährt bereits der Jurastudent leidvoll jedes Mal, wenn die neue Lieferung zur Ergänzung seines „Sartorius“ oder "Schönfelder" eingetroffen ist und er sich der Mühe einer reorganisierenden Kompilation unterziehen muss. Gesetzbücher, Verordnungen und Richtlinien sind also, bei Licht besehen, Ansammlungen von durch Paragraphen- sowie Abschnittsbezifferung und Betitelung etikettierten Knoten, auf die fallweise entsprechende intratextuelle Anker verweisen. Der Jurist ist gehalten, seinen Text aus der Textmasse, mit der er konfrontiert ist, im konkreten Einzelfall zu „finden“. Die geläufige Nennung von Normtexten anhand ihrer Ortskürzel und Kennziffern in Kommentaren, Schriftsätzen, Entscheidungen und Abhandlungen löst geradezu einen Reflex des Nachschlagens aus, sofern man das Textstück nicht ohnehin bereits abrufbereit im Kopf hat. Doch das ist erst der Anfang. Die Oberfläche des rechtlichen Textwerks ist durchzogen von einem Geflecht an Querverweisen und Hinweisen, wie etwa „Fundstellen von Rechtssätzen“, „Zitierungsketten über Aktenzeichen“, „Fundstellen in der Literatur“, „bibliographische Angaben zu Einzelnormen“. Und „unabhängig von den spezifischen Verweisarten treten folgende Möglichkeiten von Querverweisen innerhalb und zwischen den Gruppen juristischer Informationsquellen auf, nämlich Verweise von Normen auf Normen; von Urteilen auf Urteile, Normen und Literatur; von Literatur auf Literatur, Normen und Urteile“, wobei man „bei Normen und Urteilen (...) von intra- bzw. interhypertextuellen Verknüpfungen sprechen (...), bei Verweisen auf die Literatur dagegen von extrahypertextuellen Verweisen“. Wenn man also „als die wesentlichen Bestandteile von Hypertext“ „ die Modularisierung in Knoten und deren Vernetzung mit Hilfe von Kanten feststellt“, dann ist Recht zweifellos Hypertext par excellence.

JM II, S. 197 f
Das könnte
Sie auch interessieren:

Begriff
Canones
Gesetzesbindung
Internet
Navigieren
Zum Anfang
Wir sind an Ihrer
Meinung interessiert
info@juristische-methodik.de
Wir freuen uns
auf Ihre Anregungen
Zum Anfang
© RC 2003 ff.