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Status methodischer Regeln
Für die Einordnung methodischer Regeln gibt es drei Möglichkeiten: Es könnten rein subjektive Kunstregeln sein, die nur kraft Vereinbarung gelten, so wie etwa die künstlichen Sprachen im Bereich der Informatik. Es könnte sich aber auch um Regeln handeln, die uns durch die Struktur des Verstehens objektiv vorgegeben sind. Oder sie könnten als „Phänomene der dritten Art“ wie die so genannte unsichtbare Hand des Marktes zwischen den Extremen reiner Subjektivität und reiner Objektivität liegen.

Der Charakter methodischer Regeln als Kunstregeln wird vor allem in der an Heidegger anschließenden hermeneutischen Tradition bestritten. An der älteren klassischen Hermeneutik sei demnach zu kritisieren, dass die inhaltliche Frage nach den zu verstehenden Sachproblemen durch die formal-technische Frage nach den Regeln des Verstehens ersetzt werde. Dadurch sei das Gewicht zu stark vom Gegenstand auf das Subjekt verschoben worden. Diese Theorie will deswegen keine Kunstlehre des Verstehens mit normativem Anspruch sein, sondern stellt die Frage nach den Ermöglichungsbedingungen des Verstehens. Gadamer formuliert dies folgendermaßen: „Im Grunde schlage ich keine Methode vor, sondern ich beschreibe, was ist“

Das normative Moment lässt sich allerdings auch aus dieser neuen Hermeneutik nicht ausklammern. Auch wenn betont wird, dass das Verstehen immer und notwendig von Vorurteilen und Sinnerwartungen des Interpreten abhängig sei, müsse man doch unterscheiden zwischen „wahren Vorurteilen, unter denen wir verstehen“ und falschen Vorurteilen, „unter denen wir missverstehen“. Denn nur im Hinblick auf eine „legitime Bedeutung“ lasse sich vom Verstehen einer Zeichenkette sprechen.

In der Reflexion der neuen Hermeneutik wird also zweierlei deutlich: zunächst, dass Regeln des Verstehens keine Kunstregeln sind, die ohne Rücksicht auf seinen Gegenstand willkürlich festgelegt werden können. Andererseits wird aber auch klar, dass dann, wenn es um Bewertung eines Verstehens als mehr oder weniger legitim geht, eine normative Komponente unverzichtbar ist. Und genau diese Bewertung ist das Problem im Rechtsstreit. Denn dieser entsteht nicht aus einem Mangel, sondern aus einem Überfluß an Verstehen. Beide vor Gericht streitenden Seiten haben das Gesetz auf ihre Weise schon verstanden. Aufgabe des Gerichts ist es zu entscheiden, welche der vorgebrachten Verständnisweisen die bessere ist.

Daraus folgt, dass die Regeln juristischer Methodik weder von der reinen Faktizität des Verstehens diktiert sind, noch bloße Kunstregeln darstellen. Sie gewinnen vielmehr ihre eigentümliche Verbindlichkeit als „Phänomen der dritten Art“ durch eine doppelte Prägung: einerseits sind sie mitbeeinflusst durch normative Vorgaben. Andererseits finden die von der Praxis unter Berücksichtigung der normativen Vorgaben erarbeiteten Standards ihre Grenze an dem, was der Gegenstand des Sozialen und das Material der Sprache zulassen.

JM II, S. 180 ff.
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