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Rangordnung der Konkretisierungselemente
Gegen die Möglichkeit einer Rangfolge von Konkretisierungselementen wendet sich, in Übereinstimmung mit der traditionell verbreiteten Meinung, Schroth: Die Rangfolge lasse sich „abstrakt und generell“ nicht bestimmen, vielmehr im Hinblick darauf, daß die Konkretisierungselemente für Interessen stünden, nur durch eine Gewichtung im Einzelfall. An dieser Argumentation ist aber schon das unterstellte Repräsentationsmodell fragwürdig. Daß z. B. der Wortlaut einer Vorschrift ein Vertrauensinteresse der Rechtsunterworfenen schützen wolle, läßt sich nur begründen, wenn man eine homogene und für jedermann gleichermaßen verständliche Umgangssprache voraussetzt. Daß die historische Auslegung „Authentizitätsinteressen“ des Gesetzgebers schütze, setzt wiederum einen einheitlichen Willen beziehungsweise eine einheitliche Handlung des Gesetzgebers als Bezugspunkt der Auslegung voraus. Die Behauptung einer die Konkretisierungselemente tragenden Hinterwelt von Interessen führt damit zu Behauptungs- und Nachweislasten, welche die juristische Methodik kaum wird erfüllen können. Eine nüchterne Betrachtung der Rechtsarbeit führt statt dessen zu dem Ergebnis, dass die Konkretisierungselemente Kontexte des fraglichen Normtextes erschließen und dass sie dabei auch nach formalen Gesichtspunkten gewichtet werden können. Im übrigen geht es aber auch der Strukturierenden Rechtslehre nicht um eine abstrakte Rangfolge unabhängig vom Gewicht der Argumente im Einzelfall. Das wird deutlich, wenn man sich aus der Spekulation über Interessen in die Wirklichkeit praktischer Rechtsentscheidungen begibt. Die Konkretisierungselemente sind nur jeweils im Einzelfall als Argumente für und gegen im Streit befindliche Verständnismöglichkeiten des Normtextes erheblich oder nicht. Gerade diese Auseinandersetzung um Deutungshypothesen, die sich jeweils auf unterschiedliche Zusammenhänge berufen, prägt die Realität von Rechtsentscheidungen. Erst dieser Streit macht Kontexte wichtig und führt zu methodologischen Konflikten im Einzelfall, die generelle Vorzugsregeln verlangen. Diese Vorzugsregeln sind insoweit nicht vom Fall abstrakt, sondern einzelfallbezogen. Aber sie sind rechtsstaatlich generalisierbar im Gegensatz zur Willkür einer Kadi-Justiz.

JM I, Rn. 433
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