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Linguistik Rechtslinguistik: Sprache des Rechts
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Intertextualität
Kein Text kommt aus dem Nichts, keiner steht für sich allein. Und jedenfalls im Prinzip dürfte kaum ein Text je wieder völlig verschwinden. Zusammen und gegenseitig am Leben gehalten werden sie durch ein vielschichtiges Geflecht von Anspielungen, Verweisen, Bezügen und Traditionen: Kurzum, im "Raum eines Textes überlagern sich mehrere Aussagen, die aus anderen Texten stammen und interferieren". Das mag zwar an literarischen Texten besonders auffällig sein, da diese in der Regel ihr bewusstes Spiel damit treiben. Beschränkt darauf ist Intertextualität indes nicht. Juristische Texte etwa zeichnet sie von Beginn an geradezu fundamental aus. “Die Ränder von Manuskripten und frühen gedruckten (...) juristischen (...) Texten wimmeln von Glossen, die wie die Anmerkung des Historikers den Leser instandsetzen, sich vom polierten Argument zu denjenigen Texten zurückzuarbeiten, aus denen es entwickelt wurde und worauf es beruht.“ Von jeher haben synoptische Zusammenstellungen Textgrundlagen für die Rechtsarbeit angehäuft. In Kommentaren werden nach wie vor über die Textstücke juristischen Normierens und Entscheidens Fäden von Verweisen gespannt. Präjudizien, Berufungen und Gegenargumente nehmen in jeder juristischen Äußerung eine Vielzahl anderer in sich auf und empfehlen sich selbst wieder weiter zum Bezug für ein Fortschreiben des Texts von Recht.

Die Juristen zeigen in der Umtriebigkeit ihrer Arbeit an Text immer schon überdeutlich, was Text ausmacht: „Jeder Text schreibt sich ein in ein intertextuelles Ensemble künstlerischer / kultureller / formaler / kanonischer / biographischer Konstellationen. Jedes Wort produziert Bedeutungen erst im Kontext der umgebenden sprachlichen Einheiten - alles Geschriebene ist 'Zitat': Entwendung gelesener Schriften.“ All diese Verschwisterungen und Verschwägerungen mit anderen trägt der Text nicht etwa bei sich. Sie muss ihm, wie auch Juristen sehr wohl wissen, immer mehr oder weniger mühsam angelesen werden. Wie überhaupt auch ein herkömmlicher Text sich nicht von sich aus in seiner Bedeutung preisgibt, sondern immer nur ein Angebot an den Leser darstellt, ihn zu dieser zu bringen. Weder Textbedeutung noch Intertextualität sind dem Text schon inhärent: „Die Instanz zur Herstellung“ all jener „Bezüge“, die ihn intertextuell ins Meer der anderen Texte eintauchen lassen, ist „der Leser“. „Folglich ist der Text eine Produktivität“. „Er ist eine Textverarbeitung“, „eine Intertextualität". „Im Hypertext-Konzept“ „(finden) die traditionellen Skalierungen von Intertextualität nach Maßgabe von Kriterien der Referentialiät, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität. Selektivität, Dialogizität (...) ihre logische Fortsetzung, Anwendung und Ausweitung. Denn die Herstellung intertextueller Bezüge ist das zentrale Kennzeichen von Hypertext“. Man kann auch sagen, „Hypertext mache explizit, was in Text weniger radikal impliziert sei.“ Mit ihm wird gewissermaßen auf die konstruktivistisch produktive Spitze getrieben, was jedem Text ohnehin an Intertextualität eigen ist. Diese wird ganz in die Hände des Lesers gelegt, der so schon gar kein solcher mehr ist. „Hypertexte (...) liest man nicht, sondern man ’navigiert’ in ihnen.“

JM II, S. 191 ff
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