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Navigieren im Hypertext
„Die Anleihe aus der Welt der Hochseeschifffahrt ist bewusst gewählt“, denn „sich in einem nicht komplett übersehbaren Hypertext-Netz bewegen heißt, darin zu ‚navigieren’". Man steuert von Anker zu Anker Knoten an und setzt über die Links seinen Kurs durch den Hypertext.

Je nachdem nun, wie man dies tut, kann man bestimmte Dependenzen und Interdependenzen zwischen Knoten arrangieren. Die Grundmodelle dafür gruppieren sich im wesentlichen um drei Metaphern, denen sich vom denkbaren Erscheinungsbild her die virtuelle Ordnung des jeweiligen Hypertextes entlehnt. Man kann sich an der Buchmetapher orientieren, indem man eine horizontal lineare Anreihung und Abfolge der Knoten vorzeichnet. Hier „blättert“ man dann in einem durchaus traditionellen Sinn durch den Hypertext hin und her. Man kann die Erreichbarkeit der Knoten zum zweiten auch so arrangieren, dass einer eine Reihe von anderen „dominiert“; das heißt es zulässt, dass diese von ersterem aus erreichbar sind, aber nicht umgekehrt. So lassen sich verzweigende Hierarchien aufbauen, die der Baummetapher folgen. Und schließlich kann man durch eine konsequente Spiegelbildlichkeit bzw. Komplementariät der in Ausgangs- und Zielknoten mit den Ankern gesetzten Links anarchische Strukturen einziehen, der Netzmetapher zu ihrem unverblümten Durchbruch verhelfen. Denn hier ist dann jeder Knoten von jedem aus erreichbar, jeder mit jedem „verwoben“. Dabei wird aber schnell eine Komplexität des virtuellen Gefüges erreicht, die den Bedarf an „über“ Hypertext agierenden Orientierungsinstrumenten dringlich werden lassen.

Die Wahl zwischen den "Vorgaben" kann dem „Leser“ aberletztlich nicht genommen werden. Er kann sich immer der Knoten bemächtigen und sie sich nach seinem Gusto ordnen. Auch aus Büchern kann man Seiten herausreißen, Abschnitte ausschneiden, neu zusammenkleben und zu Text zusammenkopieren.

Die Unabsehbarkeit der Lektüre beruht noch besonders auf einer zweiten Eigenheit von Ankern. Sie sind immer Bestandteil des Knotens, aus dem sie verweisen, und "für alle Verweise gilt, dass sie sowohl Ausgangs- als auch Zielpunkt haben müssen.“ Dies bewirkt das profane Mirakel einer durch die Primitivität der Architektur von Hypertext in jedem Moment unabsehbar möglichen Variabilität und Überkomplexität. Mit anderen Worten: In der elementaren Schlichtheit der Bauform liegt die ungeheure Virulenz von Hypertext. Der Link ist so jenes durch den Anker anwesend gemachte Abwesende, das der Poststrukturalismus in jedem Zeichen erkennen will. Das macht jede Lektüre, wenn man nur genau genug hinsieht, unabsehbar.

JM II, 195 f.
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