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Begriff des Hypertext
Was „ist“ Hypertext? Auf jeden Fall an erster Stelle selbst ein solcher. Eine Antwort auf die Frage nach diesem Begriff muss geradezu divergent und vielfältig ausfallen. Denn „zu verschieden sind die Perspektiven, unter denen man Hypertext betrachten kann, zu verschieden die spezifischen Anwendungsbereiche. Dementsprechend findet man in der Literatur fast so viele Definitionen von Hypertext wie es AutorInnen gibt, die über Hypertext schreiben.“ Das verwundert nicht. Schließlich ist auch Wissenschaft in der neuen medialen Welt kaum mehr anders zu betrachten denn als Hypertext. Umso dringlicher ist es, für die Apostrophierung von Recht als Hypertext eine etwas klarere Vorstellung von einem solchen zu gewinnen.

Das Wort geht auf Thomas Holms Nelson zurück, der es zugleich voll Enthusiasmus mit seinem Projekt „Xanadu“ in die Tat umgesetzt hat. Damit verfolgt er ein auch heute noch utopisch anmutendes Endziel. Er beabsichtigt „die Verwaltung des gesamten Weltwissens über ein riesiges, computerunterstütztes Begriffsnetz, das den Zugriff auf die entsprechenden informationellen Einheiten gestattet. Durch die Möglichkeit der simultanen und kollektiven Bearbeitung eines Dokuments soll der tendenzielle Gegensatz zwischen Autor und Leser aufgehoben werden. Nelsons „Arbeiten (...) besser, seine Visionen - sind das Fundament heutiger Hypertextforschung und -begeisterung.“ Dabei hat Nelson, entsprechend seinen Ambitionen, Hypertext grundlegend als „non-linear text“ definiert.

Hypertext ist nichtlinear, sofern er nicht, wie das Buch, eine sequenziell serielle Reihung seiner Elemente und Teile darstellt. Stattdessen „besteht“ er aus einer vorab nicht absehbaren Fülle von in sich weitestgehend autonomen Einheiten, die nur ein loses Gespinst von Segmenten bilden. Entsprechend ist Hypertext zugleich modular. Er bietet sich im Grund lediglich als eine „Hypertextbasis“ an, „als ein sehr komplexes Netzwerk (...), in dessen Knoten die (multimedialen) Objekte des Wissens eingetragen und über dessen Kanten die Verknüpfungen realisiert sind.“ Diese werden erst durch „Transformieren“, „Kommentieren“, allgemein durch die kompositorisch semantisierenden Aktivitäten des „Lesers“ hergestellt, um Hypertext zu einem flüchtig momentanen Ganzen zu „kompilieren“. Die Knoten, die die einzelnen Gebilde durch eben diese Verknüpfungen zu einem Text verweben, müssen immer wieder neu geschnürt werden. Eine Strukturierung, gar eine Linearisierung verdankt sich nur dem Moment der Lektüre. Diese ist damit auch kein vorrangig rezeptiver Vorgang mehr. „Hypertext“ im Sinn einer jeweiligen Kompilation zu einem solchen ist notwendig ein produktiver Vorgang. Der Leser „macht“ sich buchstäblich im Augenblick seines Interesses daran „seinen“ Text und schlüpft damit zugleich in die Rolle von dessen Autor.

JM II, S. 188 f.
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